IMPRESSION
GEFOTOGRAFIERT MIT FP2
PARIS CIPHERS
von Olya Oleinic
Für die in Moldawien geborene Olya Oleinic bietet die Fotografie ein relationales Umfeld, in dem sie sich mit Neugier und dem Wunsch nach Austausch bewegt. Jedes ihrer Werke ist ein eigenes Ökosystem, in dem Menschen, Objekte und Orte Raum erhalten, so zu sein, wie sie sind, und das Unbeantwortete eine Frage bleiben darf. Ihre Fotografie widmet sich intimen Momenten, findet unerwartete Zusammenhänge und verfolgt gestische Nuancen.
Olya bewegt sich zwischen künstlerischen Kooperationen, persönlichen Projekten, Mode-Editorials und Auftragsarbeiten. Was diese unterschiedlichen Kontexte miteinander verbindet, ist eine unverwechselbare Sichtweise. Ob sie nun Bilder für Marni oder Apartamento erstellt oder mit Künstlerinnen wie Elena Palumbo Mosca zusammenarbeitet – in ihren Arbeiten ist stets ein Gefühl für gelebte Zeit und bewohnten Raum spürbar.
Für dieses Projekt schuf Olya eine Bilderserie, die sie im Juli 2026 während einer drückenden Hitze in einem kleinen Umkreis um ihre Pariser Wohnung aufnahm. Es sind zugleich konkrete und schwer fassbare Darstellungen alltäglicher Begegnungen mit Menschen an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit.
„Meine Arbeit ist beobachtend, und ich habe das Gefühl, dass es nicht um mich geht, sondern darum, mit wem oder was ich zusammen bin, und um die Erfahrung des gemeinsamen Augenblicks an sich.“
Jedes Projekt ist ein Prozess des Sich-Öffnens, um neu zu hören und zu sehen, das Vorhandene zu erleben und zu bezeugen und es dann weiterzugeben. Es bedeutet, ihre eigenen Reflexionen innerhalb eines gewählten Kontexts zu finden:
„Vielleicht geht es darum, die eigene Beziehung zu einem Ort zu verstehen, den man besucht, den eigenen Platz darin, wie man als Mensch und als Schöpferin mit ihm in Beziehung steht und wie die Menschen zu einem stehen.“
Olya war noch ein Teenager, als sie ihre erste Kamera in die Hände bekam. „Damals war es ein Werkzeug, das mir half, einige meiner Erkundungen konkreter und greifbarer zu machen“, sagt sie.
„Da ich mit meiner vierköpfigen Familie in einer kleinen Wohnung aufgewachsen bin, hatte jeder Raum im Haus eine provisorische Funktion. Um die Gegenstände und Veränderungen, die in diesem Raum entstanden, festzuhalten, habe ich mich daher oft dafür entschieden, sie zu fotografieren.“
Später bot die Fotografie ihr auch einen kreativen Ausweg. „Ich glaube, es war ein jugendlicher Wunsch, dem Vertrauten zu entfliehen“, fügt Olya hinzu. Nach und nach wurde die Kamera zu einem Werkzeug der Verwandlung, der Bewahrung und mit der Zeit auch der Gestaltung.
„Schliesslich ging es in meiner Fotografie mehr darum, für das Bild zu konstruieren.“
Ein Grund, warum sie die Fotografie als besonderes Medium empfindet, ist, dass sie auf Worte verzichtet. „Sie ermöglicht es einem, einfach zu sein und nichts zu sagen. Und das breitere Spektrum dessen zu betrachten, was es für jemand anderen bedeuten kann.“
Ästhetisch gesehen versteht sie ihre fotografische Praxis als Schaffung von Raum für das, was sie „einen friedlichen Geist“ nennt. „Ich fühle mich zu Dingen hingezogen, bei denen das Auge zur Ruhe kommen kann“, sagt sie. Ihre Bildsprache ist jedoch nicht von Perfektion geprägt. Wie sie betont: „Ein Bild, eine Szene oder eine Komposition kann unausgewogen und asymmetrisch wirken und dennoch eine starke Anziehungskraft ausüben.“
Heute ist Olya eine etablierte Fotografin, die Aufträge von grossen Modehäusern und Zeitschriften erhält und kontinuierlich mit Künstlern und Verlagen zusammenarbeitet. Für sie ist und war Fotografie jedoch schon immer eine Art zu sein. So bewegt sie sich durch die Welt. Die Fotografie ist etwas, für das sie sich immer wieder neu entscheidet.
„Fotografie ist für mich wie jede aktive Beziehung, die man zu einem Menschen hat. Man entscheidet sich jeden Tag, jeden Monat, jedes Jahr für diese Person, und man weiss, dass sich die Beziehung verändert, weil beide wachsen oder unterschiedliche Wege gehen, aber man ist bereit, die Unterschiede zu akzeptieren und gemeinsam weiterzugehen.“
Olyas Fotografie entwickelt sich ständig weiter. „Das ist ein natürlicher Prozess. Und ich lasse es zu, ich erlaube es.“
ÜBER
OLYA OLEINIC
Fotografin
Olya Oleinic ist eine in Moldawien geborene Fotografin, die zwischen Amsterdam und Paris lebt und arbeitet. Sie hat für Maison Margiela, Isa Boulder und Marni gearbeitet und Bildstrecken für Apartamento, Wallpaper* und M Le Monde realisiert. Ihre Fotografien wurden im Foam Photography Museum, bei Red Hook Labs in Brooklyn, NYC, und bei Unseen Amsterdam ausgestellt. Ihr Buch „GEO“ über ihre Reisen in die Ukraine und nach Georgien erschien 2022. „We“, ein gemeinsam mit Mark Peckmezian erstelltes Fotobuch, wurde 2025 bei Partners Studio veröffentlicht. Olyas Fotografie erschliesst Räume in der Textur des Alltags, in denen intime Momente, unerwartete Zusammenhänge und gestische Nuancen verweilen und sich entfalten können.
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