IMPRESSION
DENSITY
CONTEMPORARY
20–60mm F2.8-4 DG
von Ulysses Aoki
Es fällt mir schwer, mich genau daran zu erinnern, wie viel ich in Tokio gelaufen bin und fotografiert habe.
Meine Erinnerung daran ist nur noch verschwommen, doch das Ergebnis – die unzähligen Fotos, die geblieben sind – dient als Beweis.
Selbst nach über zehn Jahren Erfahrung überkommen mich noch immer Angst und Selbstzweifel, bevor ich das Haus verlasse –
Was, wenn ich nichts Neues entdecke? Was, wenn ich heute nichts Fotowürdiges finde?
Wenn ich den Sprung wage und mit meiner Kamera aus dem Haus gehe, komme ich an denselben alltäglichen Szenen vorbei. Und doch gelingt es mir irgendwie, etwas Neues zu spüren. Eine neue Entdeckung.
In einer so komplexen Metropole wie Tokio geht es mir nicht darum, den Urbanismus und das Chaos zu übertreiben, sondern eher darum, Szenen hervorzuheben, die sonst eher unbemerkt bleiben, und sie durch die Fotografie zu erweitern. Durch die Kombination und Überlagerung organischer, dynamischer Elemente wie Menschen und sich ständig verändernder Elemente wie anorganisches Material und Licht sind die Möglichkeiten nahezu unendlich.
In allem steckt Schönheit. Doch die Fotografie hat mich gelehrt, dass ich meinen eigenen Blick schulen muss, um sie zu finden.
Ganz ehrlich gesagt bin ich nicht der Typ Mensch, der sich stark auf fotografische Ausrüstung verlässt, aber wenn ich glaube, dass ein neues Objektiv mir neue Sichtweisen eröffnen könnte, kann ich schnelle Entscheidungen treffen. Das gilt auch für das Sigma 20–60mm F2.8-4 DG | Contemporary, das ich glücklicherweise testen und nutzen durfte.
In der Welt der spontanen Dokumentarfotografie sind die „Standard“-Brennweiten in der Regel 28mm, 35mm, 50mm und in letzter Zeit vielleicht auch der 40-mm-Bereich. Dieses neue Objektiv deckt all diese Bereiche ab und geht dabei noch ein kleines bisschen enger oder ein kleines bisschen weiter.
Die Isolierung des Motivs wird üblicherweise durch den Einsatz eines Telefoto-Objektivs erreicht, aber es gibt auch andere Methoden. Eine davon, die ich im Laufe der Jahre erforscht habe, besteht darin, mit einem Weitwinkel-Objektiv extrem nah heranzugehen, wodurch man einen engen Bildausschnitt mit fast schon überirdischen Zügen schaffen kann.
Als ich mir ein Gemälde von Salvador Dalí im Morohashi-Museum für moderne Kunst (in der Präfektur Fukushima) ansah, wurde mir plötzlich klar, dass Dalís surrealistische Gemälde Weitwinkelaufnahmen mit makelloser Komposition und Motivanordnung ähneln. Dieser Gedanke liess mich nicht mehr los. Als ich nachts im Internet nach Erklärungen suchte, stiess ich darauf: ein Interview mit Dalí aus einer alten Fernsehsendung, in dem er sinngemäss sagte: „Meine Gemälde sind Fotografien der Träume, die ich sehe, auf die Leinwand übertragen.“
Seitdem fasziniert es mich persönlich, Weitwinkel-Objektive zu verwenden und zu versuchen, schöne und zugleich geheimnisvolle Fotos mit klaren Kompositionen und präzise im Bildausschnitt angeordneten Motiven zu schaffen.
Auf der anderen Seite erinnert mich die Verwendung des Zoom-Objektivs bei 60mm an die Pioniere der Farbfotografie wie Ernst Haas und Saul Leiter, die beide häufig Telefoto-Objektive, aber auch eine Vielzahl anderer Brennweiten einsetzten. Im Gegensatz zu dem, wofür sie vielleicht bekannt sind, waren sie überzeugte Verfechter von Praktikabilität und einer kompakten Kamera-Ausrüstung. Man kann sich nur vorstellen, wie sie auf ein Objektiv wie dieses reagiert hätten.
Letztendlich muss man mit der Kamera unterwegs sein und genau hinschauen, um neue Entdeckungen zu machen. Meiner Überzeugung nach ist es entscheidend, die Reibungspunkte zwischen meinem Alltag und dem Umgang mit der Kamera so gering wie möglich zu halten. Grösse und Gewicht sind offensichtliche Faktoren, aber als Künstler werde ich nur Werkzeuge besitzen und nutzen, die mit meiner eigenen Philosophie und meinem Ausdrucksstil im Einklang stehen. Leicht, kompakt und wunderschön verarbeitet – das Sigma 20–60mm F2.8-4 DG | Contemporary ist ein Produkt, das mir immer wieder einen Grund liefert, vor die Tür zu gehen.
HINTER DEN KULISSEN
ÜBER
Ulysses Aoki
Fotograf / Künstler
Ulysses Aoki wurde 1992 in Saitama, Japan, geboren und ist ein aktiver Fotograf japanischer und europäisch-amerikanischer Abstammung, der vor allem für seine innovativen und spontanen Farbfotografien bekannt ist. Seine Werke wurden weltweit in Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt. Obwohl Ulysses’ künstlerisches Schaffen die Reinheit des fotografischen Mediums bewahrt, versuchen seine Arbeiten, die Grenzen dessen zu erweitern, was die realistische, spontane Fotografie dem menschlichen Auge bieten kann. Dicht, geheimnisvoll, klassisch und doch mit modernen Zügen versehen, zeigen seine Arbeiten den Zustand der heutigen Gesellschaft und stellen gleichzeitig deren verborgene Schönheit dar, wobei er Wissen und Inspiration aus kulturellen Motiven, Philosophie, Film, Malerei und Bildhauerei nutzt.
Zu seinen bisherigen Arbeiten und Kooperationsprojekten zählen Marken und Institutionen wie Uniqlo, die Giacometti-Stiftung und das Dubai Tourism Board sowie die Zusammenarbeit mit zahlreichen Mode- und Lifestyle-Magazinen und -Medien.
VERWENDETE AUSRÜSTUNG