35mm F1.2 DG DN | Art Impression
Es ist naheliegend, dass SIGMA nun endlich ein F1.2-Objektiv auf den Markt bringt, da das Unternehmen in letzter Zeit so viele Festbrennweiten-Objektive mit grossem Durchmesser hergestellt hat. Wenn das Unternehmen die Freude und die Möglichkeiten der Fotografie weiter vorantreibt, ist es kein Wunder, dass es den nächsten Schritt in Richtung F1.2 wagt. Die Weiterentwicklung digitaler Kameras erfordert eine bessere optische Leistung der Objektive. SIGMA muss sehr zuversichtlich sein, denn das Unternehmen hat sich für die Markteinführung des F1.2-Objektivs entschieden, obwohl wir mittlerweile nicht mehr ständig Angst vor steigenden Empfindlichkeiten haben müssen.
Der Test begann mit Porträtaufnahmen. Der unterirdische Drehort war mit einem Klavier ausgestattet und es herrschte aufgrund der dichten Wolken nur sehr schwaches indirektes Sonnenlicht. Unter solch schwierigen Bedingungen ist das Einzige, worauf ich mich verlassen kann, die Leistung des Objektivs selbst. Sobald ich mit dem Fotografieren begann, hatte ich das Gefühl, mit einem grösseren Format zu fotografieren.
Diese Bildkomposition ist typisch für das 50-mm-Objektiv. Die Abbildung ist bis in die Ecken sehr scharf, trotz der für das 35-mm-Format sehr geringen Schärfentiefe. So wie sich F1.4 und F1.8 voneinander unterscheiden, hat auch F1.2 seine eigene Welt. Während ich durch den Sucher blickte, hörte ich Skrjabin (russischer Komponist), den sie spielte. Es war flüchtig und wunderschön. Ein Künstler verkörpert die Welt, die er oder sie in sich trägt, und genau das wollte ich zum Ausdruck bringen. Die Vignettierung ist für die maximale Blendenzahl unglaublich gut kontrolliert, aber nicht so weit beseitigt, dass es geschmacklos wirkt. Sie hebt das Motiv auf angenehme Weise hervor.
Dank der geringen Schärfentiefe bei F1.2 muss das Motiv nicht immer nah sein, um herauszustechen. Auch die reichhaltigen Abstufungen tragen dazu bei, die Atmosphäre wiederzugeben.
Das intensive Sonnenlicht reflektiert und streut. Das sind schwierige Bedingungen für einen Objektivtest, aber die Farbwiedergabe ist dennoch reichhaltig und die Kanten des Motivs im Fokus wirken scharf. Die hohe Bildqualität bei voller Blendenöffnung ermöglicht es Fotografen, sich so frei wie möglich auszudrücken. Die Schärfentiefe wird im Nahbereich hauchdünn. Das Bokeh ist nicht zart-cremig, wirkt aber niemals verrauscht oder ablenkend.
Model: Chinami Yamaguchi
Sie ist Pianistin und tritt bei Solokonzerten und Ensemblekonzerten in Japan auf. Sie mag scharfes Essen und besticht durch den reizvollen Kontrast zwischen ihrem Aussehen und ihrer Persönlichkeit.
Berauschende Blende F1.2
Wenn ich diese farbenfrohen Blumen betrachte, verstehe ich, warum Japan als ein wunderschönes Land gilt. Ich habe Blumen unter verschiedenen Lichtverhältnissen fotografiert, darunter sanftes Frühlingslicht, Gegenlicht und Sonnenstrahlen, die durch Blätter scheinen. Diese Bilder geben genau die Szenen wieder, die ich gesehen habe. Die Farbwiedergabe ist bis in die Ecken klar. Das Bokeh ist hinreissend schön. Auch hier ist die chromatische Aberration minimal, selbst an den Rändern der Lichter. Im Gegensatz zu vielen Objektiven mit extrem grossem Durchmesser wird dieses Objektiv selbst bei voller Blendenöffnung nicht unscharf und kann die Feuchtigkeit in der Luft wiedergeben. Es kann die Absicht des Fotografen direkt widerspiegeln.
Die Blütenblätter sehen wirklich hübsch und realistisch aus. Die scharfe Wiedergabe der Zellen der im Fokus liegenden Blütenblätter ist einfach atemberaubend. Auch das Hintergrund-Bokeh zeigt die Fülle der Tonwerte.
Die Wiedergabe ist selbst bei schlechten Lichtverhältnissen feinfühlig. Diese Bildstimmung lässt sich ohne die hohe Leistungsfähigkeit nicht erzielen.
Feine und präzise Wiedergabe
Es hat mir wirklich Spass gemacht, dieses neue Objektiv der ART-Serie zu testen, das erste F1.2-Objektiv von SIGMA. Das Bokeh ist verträumt und die Tonwertabstufung reichhaltig. Die extrem geringe Aberration selbst bei vollständig geöffneter Blende trägt zusätzlich zur Realitätsnähe der Bilder bei. Dieses Objektiv lädt Fotografen definitiv in eine neue Welt der Fotografie ein.
Minimiertes sagittales Koma-Flare
Da mir gesagt wurde, dass das sagittale Koma-Flare bei diesem Objektiv deutlich reduziert ist, habe ich Nachtaufnahmen mit Punktlichtquellen gemacht, um zu prüfen, wie diese dargestellt werden. Die meisten Objektive mit festem Brennpunkt und grossem Durchmesser neigen zu sagittalem Koma-Flare, was bei Punktlichtquellen am deutlichsten durch ein vogelförmiges Flare erkennbar ist. Das vor 7 Jahren erschienene 35mm F1.4 DG HSM | Art ist wegen seiner hervorragenden Schärfe und seines schönen Bokehs sehr beliebt. Die neuesten Kameras mit mehr Pixeln und höherer Auflösung können jedoch die potenzielle Schwäche von Objektiven mit grossem Durchmesser offenbaren. Um zu testen, wie gut dieses Objektiv mit diesem Problem umgeht, habe ich Nebeneinander-Vergleiche von Nachtaufnahmen angefertigt, die mit diesem Objektiv und dem 35mm F1.4 DG HSM | Art für den E-Mount aufgenommen wurden. Als Motive wählte ich Gebäude in Marunouchi, Tokio, da diese Lichtquellen aller Grössen aufweisen. Ich habe die Kamera auf einem Stativ befestigt und unter denselben Bedingungen fotografiert, abgesehen von der maximalen Blendenzahl. Hier sind die Ergebnisse.
Wenn Sie sich die vergrösserten Bilder der rot umrandeten Bereiche ansehen, erkennen Sie sagittale Koma-Streulichter beim 35mm F1.4 DG HSM | Art (für Sony E-Mount) bei weitwinkel-Öffnung. Überraschenderweise sind diese hingegen beim 35mm F1.2-DG DN|Art hingegen minimal, und das 35mm F1.4 DG HSM | Art|Art muss auf F2.8 abgeblendet werden, um mit dem 35mm F1.2 DG DN|Art gleichzuziehen. Mit anderen Worten: Das 35mm F1.2 DG DN|Art hat mindestens einen Vorteil von 2 Blendenstufen in Bezug auf das sagittale Koma-Flare. Bei der Aufnahme von Sternen wünschen wir uns geringeres Rauschen und eine kürzere Verschlusszeit, um sie einzufrieren. Dieses Objektiv erleichtert auch die Aufnahme von Nachtszenen und Sternen erheblich.